B Räumliche Handlungsschwerpunkte

0 Einführung „Stadträume der Hanauer Innenstadt“

1th.jpgIm Bereich des Freiheitsplatzes lassen sich wie an kaum einer anderen Stelle Entwicklungslinien, Phasen und Epochen der Baugeschichte Hanaus ablesen. Als ehemaliges Glacis der Befestigungsanlagen der Altstadt - mit Altstädter Markt/Goldschmiedehaus als damaligem Mittelpunkt - war dieser Bereich für lange Zeit von jeder Bebauung freigehalten worden. Mit der Gründung der Hanauer Neustadt 1597 nach den Grundprinzipien städtebaulicher Idealstadtvorstellungen der Renaissance entstand in unmittelbarem Anschluss an die Altstadt eine axialsymmetrische, schachbrettartige Stadtneugründung, die von einer Stadtbefestigung als Polygonzug abgeschlossen wurde (Abb. 1).

Dieser rationale, geometrisch-strenge Grundriss der Neustadt lässt durch die Anordnung bzw. Aussparung von Baublöcken und die exakte Positionierung der bedeutenden öffentlichen Bauten eine klare axiale Ausprägung in Nord-Süd-Richtung erkennen: Rechteck des Neustädter Marktes in der geometrischen Mitte der Stadtgründung, mittig an der Nordseite des Markes angeordnet, das Neustädter Rathaus; Hauptdach der Wallonisch-Niederländischen Kirche in der Flucht der Mittelachse von Markt und Rathaus; Paradiesgasse als Verbindung der beiden Blöcke.

2th.jpgAuch durch die südlich an die Französische Allee anschließende heutige Karl-Röttelberg-Straße, die den Baublock mittig durchschneidet und sich so aus dem typischen Blockraster löst, wird diese ideelle Symmetrieachse der Stadtneugründung betont. Eine weitere Verstärkung dieses Symmetrieansatzes war durch die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Treppentürme der jeweiligen Eckbebauung Neustädter Markt/Hammerstraße und Neustädter Markt/Fahrstraße gegeben. Trotz einer Verschiebung um wenige Meter wird die Fortsetzung der städtebaulichen Grundidee einer mittigen Entwicklungsachse für die Neustadt auch aus dem Grundrissbild der Altstadt von Hanau deutlich: Marktstraße, Altstädter Markt und Graf-Philipp-Ludwig-Straße bilden - wenn auch leicht versetzt - eine nahezu gradlinige Verbindung zum Schlossplatz, die die Altstadt in Nord-Süd-Richtung durchtrennt und das Rückgrat der Verbindung vom ehemaligen mittelalterlichen Stadtschloss zur Neustadtgründung herstellt (Abb. 2).

Besonderheiten des Hanauer Stadtgrundrisses

3th.jpgDie Hanauer Stadtgeschichte hat - vergleiche oben - dem Grundriss der Innenstadt zu einer besonderen Einmaligkeit verholfen. Die aus dem Mittelalter stammende Hanauer Altstadt wird über den Freiheitsplatz mit der Hanauer Neustadt aus der Renaissancezeit durch eine Folge von Plätzen verbunden, die sich entlang einer „ideellen Symmetrieachse" aus dem Renaissancegrundriss von 1597 entwickelt.

Aus der Abfolge (von Norden) Schlossplatz - Altstädter Markt - Freiheitsplatz - Neustädter Markt - Wallonisch-Niederländische Kirche ergibt sich eine nahezu lehrbuchhafte Abfolge von Orträumen (Stadtplätzen) und diese verbindenden Wegeräumen (Straßenzüge). Auch in der Oberflächenbeschaffenheit hat die Historie einen bis heute erhaltenen und ablesbaren Wechsel von „grün" und „steinern" hervorgebracht.

Historisch und auch nach den heutigen Ansprüchen sind diesen fünf Plätzen differenzierte städtische Nutzungen und Funktionen zuzuordnen, wobei jedoch das heutige Erscheinungsbild dieser Differenzierung keinesfalls mehr entspricht.

Ein wesentliches Ziel besteht darin, die historische Einmaligkeit sowie das Potenzial dieser fünf Platzräume und der sie verbindenden Straßen zu erkennen, Defiziten in der Platzfassung, den Randnutzungen im Erdgeschoss, den Mängeln in Gestaltung von Oberfläche und Platzmobiliar entgegenzuwirken und - insbesondere bei Neustädter Markt und Freiheitsplatz - die Flexibilität und Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten zu erhalten.