B Räumliche Handlungsschwerpunkte

5 Das Stadtquartier um die Wallonisch-Niederländische Kirche

8th.jpgDas Stadtquartier um die Wallonisch-Niederländische Kirche wurde in weiten Bereichen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auf dem historischen Stadtgrundriss in den 50er-Jahren wiederaufgebaut, ist das Quartier als städtebauliches Ensemble denkmalgeschützt. Die vorherrschende Wohnnutzung spielt auch heute noch eine wichtige Rolle in der Hanauer Innenstadt. Allerdings sind die Wohnungsstrukturen und die baulichen Zustände der Gebäude den heutigen Marktbedürfnissen nicht mehr entsprechend. Ziel der Stadtentwicklung ist es, den Wohnstandort Innenstadt zu stützen und in Abstimmung mit der Denkmalpflege neue bedarfs- und zukunftsorientierte innerstädtische Wohnformen hier zu etablieren. Dies kann im Schulterschluss mit den anderen angrenzenden Eigentümern erfolgen.

Stadtraum-typologisch gesehen handelt es sich hier um den Typus „Monument im Platzraum“. Von der historisch besonders bedeutsamen ehemaligen Doppelkirche ist nur der östliche, kleinere Kirchenteil wieder aufgebaut worden; in dem als Ruine belassenen zweiten Teil wurde neben einem Diakoniezentrum eine Gedenkstätte für die Kriegszerstörungen und den Wiederaufbau eingerichtet. Bei der Wallonisch-Niederländischen Kirche handelt es sich um ein Kulturdenkmal; die umgebende Bebauung ist – wie der gesamte Straßengrundriss der Hanauer Neustadt – als Gesamtanlage geschützt. Die klaren Grundprinzipien dieser stadträumlichen Komposition sollten nicht infrage gestellt werden. Unbedingt verbesserungsbedürftig sind jedoch die Gestaltung der Platzoberfläche, von Platzeinbauten und Platzmobiliar. Ein wesentlicher Teil der Platzfläche sollte hohe Wohnumfeld-, Freiraum- und Grünraumqualitäten aufweisen, auch um das insbesondere in der südlichen Innenstadt ausgeprägt vorhandene Grünflächendefizit abzubauen. Der derzeit dominierende hohe Anteil öffentlicher Parkplätze sollte wesentlich reduziert werden, wobei jedoch die Frage des Anwohnerparkens nicht gänzlich unbeachtet bleiben sollte.

Ein neuer attraktiver Wohnstandort mit eigenem Image soll entstehen.
Ein Abriss und Neubau der Bestandsgebäude erscheint dazu zwingend, wenn eine Aufwertung und wirtschaftliche Nutzung des Areals erfolgen soll.

Als städtebauliche Vorgabe ist zu beachten, dass die Platz- und Raumkanten zu erhalten sind. Die Einheitlichkeit des Stadtraums ist in Abstimmung mit dem Denkmalschutz zu erhalten.

Der Freiraum um die Wallonisch-Niederländische Kirche und die angrenzenden Straßen sind im Sinne der „Adressenwirkung“ für das neue Quartier aufzuwerten.
Dies bedeutet auch, dass der ebenerdige ruhende Individualverkehr, der bisher das Bild des Platzes prägt, für eine neue Nutzungsqualität deutlich reduziert werden muss. In einem innerstädtischen Parkraumkonzept sind die Anzahl der hier künftig notwendigen Stellplätze darzulegen. Orientiert am aufzustellenden MIV-Konzept ist die Feinerschließung des Quartiers offen.

Die Entwicklung des Quartiers um die Wallonisch-Niederländische Kirche ist eine Pflichtaufgabe.