B Räumliche Handlungsschwerpunkte

3 Der Freiheitsplatz als zentraler Platz in der Hanauer Innenstadt

6th.jpgDer Freiheitsplatz ist das größte und wichtigste Entwicklungspotenzial in der Hanauer Innenstadt. Die Nutzung als oberirdischer Parkplatz und Busbahnhof entspricht nicht seinen Qualitäten und Potenzialen, die ihm aus dem Stadtgefüge zukommen. Auch der Erhalt und die Qualifizierung der Nutzungen der Randbereiche bedürfen einer grundlegenden Umgestaltung des Platzes und seiner Funktionen.

Der Entwicklung des Freiheitsplatzes kommt aufgrund seiner Scharnierfunktion im Gerüst der Hanauer Innenstadt die zentrale Rolle zu.

Im Rahmen der Innenstadtentwicklung muss diese städtebaulich wie funktional wichtige Brückenfunktion zwischen Altstadt und Renaissancestadt belebt und in Wert gesetzt werden.

Dazu gehört, dass der Platz mit vorrangig zur Tageszeit städtische Lebendigkeit bringenden, vielfältigen Nutzungen besetzt wird. Dies kann beispielsweise durch zusätzlichen Einzelhandel geschehen, aber auch kulturelle Nutzungen wie Bibliothek oder Kino können diese Belebung bis in die Abendstunden hinein erreichen. Die Nutzungen müssen sich deshalb nach außen öffnen und den Stadtraum „mitbespielen“. Der prominenten Stelle entsprechend muss die wichtige städtebauliche und funktionale Rolle auch über eine hochwertige Architektur transportiert werden.

Nach seinen Ursprüngen setzt sich der Freiheitsplatz aus dem westlichen Platzteil als der baumbestandenen ehemaligen „Esplanade“ und dem östlichen Vorplatz der ehemaligen Infanteriekaserne („Paradeplatz“) zusammen. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die nördliche Platzkante – neben der Randbebauung der Altstadt – durch das Hanauer Stadt-Theater im Nordwesten sowie das Zeughaus und die „Hanauer Schirn“ im Nordosten geprägt.

Derzeit stellt sich der Freiheitsplatz nach Funktion und Gestaltung eher als trennendes Element zwischen Altstadt und Neustadt dar. Diese Trennung gilt es unbedingt zu überwinden. Insbesondere die drei Fußgängerzonen der Neustadt (Hammerstraße, Fahrstraße, Rosenstraße) sind durch wirksame Blick- und Fußwegebeziehungen an die Altstadt anzubinden. Darüber hinaus sollte sich in einer Neugestaltung eine deutlich besser ablesbare Platzraumfassung wiederfinden. Die derzeitige Situation ist platzräumlich als unbefriedigend anzusehen, da die vorhandenen, den Platzraum prägenden Fassadenhöhen in keiner angemessenen Relation zur Tiefe des Platzes stehen. Ähnlich wie beim Neustädter Markt – ohne dessen Funktion, insbesondere als Wochenmarkt, infrage stellen zu wollen, vergleiche unten – soll die zukünftige Platzgestaltung vielfältige Aktivitäten und temporäre Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Darüber hinaus soll – gegebenenfalls unter teilweiser Erhaltung vorhandenen Baumbestandes – der Grünflächenanteil erhöht und damit das erhebliche Gründefizit in der gesamten Innenstadt abgebaut werden.

Barrierefreiheit und Nutzbarkeit für alle Altersgruppen sollten ebenfalls beachtet werden. Die endgültige Größe des Freiheitsplatzes ist im Rahmen des Gesamtkonzeptes festzulegen.

Die Neugestaltung des Freiheitsplatzes soll einen städtischen Platz mit städtischer Lebendigkeit schaffen.
Er muss eine hohe Attraktivität als Aufenthaltsraum wie als Bewegungsraum für die Bürger und Besucher der Stadt Hanau haben. Dazu gehört auch ein schonender Umgang mit dem vorhandenen erhaltenswerten und den Standort prägenden Baumbestand.

Der ebenerdige ruhende Individualverkehr muss Platz machen für die neuen innerstädtischen Nutzungen.
In einem innerstädtischen Parkraumkonzept sind die Anzahl der hier künftig notwendigen Stellplätze darzulegen. Orientiert am aufzustellenden MIV-Konzept ist die Feinerschließung der Parkierungsanlage und der einzelnen Teilbereiche des Freiheitsplatzes offen.

Der derzeit eine große Fläche belegende Busbahnhof ist neu zu ordnen.
Dabei müssen aber realisierbare Alternativen aufgezeigt werden, die die wichtige Haltestellen- und Umsteigefunktion des ÖPNV des Freiheitsplatzes erhalten. Ein neu zu schaffendes Mobilitätszentrum soll künftig diese Funktion aufwerten.

Der Freiheitsplatz verlangt nach Nutzungen, die seiner Zentralität und Frequenz gerecht werden.
Dies ist die Chance, in größerem Umfang innerstädtische Nutzungen, vor allem auch Einzelhandel, unterzubringen.

Die stadtbildprägenden Gebäude der ehemaligen Infanteriekaserne am östlichen Rand sollen unter Beibehaltung der Denkmaleigenschaft in die Entwicklung und die Zuweisung von neuen Nutzungen mit einbezogen werden.

Die prominente Lage des Freiheitsplatzes muss sich künftig auch im Städtebau, in der Architektur und in der Platzgestaltung widerspiegeln.

Neben den funktionalen Erfordernissen kommt einer Neubebauung auch die Aufgabe der Raumfassung zu, dabei wird hochwertige Architektur erwartet.

Die Entwicklung des Freiheitsplatzes ist eine der Pflichtaufgaben im städtebaulichen Dialog. Sie ist zeitnah zu entwickeln.