C Inhaltliche Handlungsschwerpunkte

5 Mobilität

Die Qualitäten einer Innenstadt werden nicht unerheblich über ihre Erreichbarkeit definiert. Bei den Konzepten wird ein Verlagern der oberirdischen Stellplätze erwartet. Ein standortunabhängiges schlüssiges Stellplatzkonzept für die gesamte Innenstadt ist deshalb erforderlich.

Die Zufahrten zu den Quartieren können neu organisiert werden. Der Busbahnhof steht in der jetzigen Form zur Disposition. Deshalb muss ein integriertes und fachlich fundiertes ÖPNV-/IV-Konzept in Abhängigkeit von den Planungen der einzelnen Bewerber entwickelt werden.

5.1 Busverkehrsknoten Freiheitsplatz
Seit Jahrzehnten ist der Freiheitsplatz die zentrale Verknüpfungs- und Umsteigestelle des ÖPNV, wobei seine Leistungsfähigkeit insbesondere aus der Verbindung von städtischen mit regionalen Buslinien herrührt. Gemeinsam mit dem Neustädter Markt und dessen Drehscheibenfunktion wird und soll der Bereich des Freiheitsplatzes diesen Stellenwert auch in Zukunft beibehalten.

Zu den Zielen der Weiterentwicklung des Busverkehrs auf dem Freiheitsplatz gehört es, die Zahl der Durchmesserlinien zu erhöhen und die Busrouten so zu organisieren, dass möglichst wenig Busfahrzeuge am Routenende als sogenannte „Überlieger“ Abstellflächen beanspruchen.

Der aktuelle Entwurf zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans benennt derzeit maximal 20 selbstständige, unabhängig anfahrbare Bushaltestellen als notwendig. Durch technische Maßnahmen ist dieser Bedarf reduzierbar.

Neben dem Flächenanspruch und der Funktionalität sollte für ausreichenden Wetterschutz der Fahrgäste und die Unterbringung einer Mobilitätszentrale (Netto- nutzfläche ca. 50 m²) Vorsorge getroffen werden.

Insgesamt wird eine hochwertige Gestaltung hinsichtlich sämtlicher Auf- und Einbauten sowie der Oberflächen verlangt, die auch hohen städtebaulichen Gesamtanforderungen genügt.

5.2 Ruhender Verkehr
Das Angebot an öffentlichen Parkplätzen ist für Hanau – insbesondere im Vergleich mit Städten ähnlicher Größe – als gut einzustufen, selbst wenn dies nicht immer der subjektiven Einschätzung von Besuchern der Hanauer Innenstadt entspricht. Erhebliche Stellplatzreserven – Vollauslastung nur an wenigen Tagen im Jahr – sind bei nahezu allen Parkhäusern festzustellen. Grundsätzlich sollte der öffentliche Straßenraum mit seinen Parkplätzen dem Kurzparker vorbehalten sein und für längere Parkvorgänge – auch das Anwohnerparken – langfristig die Unterbringung in Parkhäusern und Tiefgaragen bevorzugt werden.

Insbesondere der Freiheitsplatz, der Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche sowie der Schlossplatz werden von ruhendem Verkehr in städtebaulich nachteiliger Art und Weise dominiert und ihres Potenzials als wichtige innerstädtische Frei-, Grün- und Platzräume beraubt.

Bei einer Zurückdrängung des öffentlichen Parkplatzanspruchs ist in Einzelfällen jedoch eine Lösung für die Anforderungen des Anwohnerparkens vorzuschlagen.

5.3 Konzept des Individualverkehrs
Das seitens der Stadt Hanau beschlossene, grundsätzlich jedoch modifkations- und entwicklungsfähige Konzept zur Führung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) hat sich mit den Besonderheiten des historischen Hanauer Stadtgrundrisses aus der Renaissancezeit auseinanderzusetzen, das durch seine Rasteranordnung und die prinzipiell gleich breiten Straßenräume eine Hierarchisierung von Verkehren und Verkehrsströmen eher erschwert.

Grundsätzlich wird angestrebt, den Kern der Innenstadt weitgehend vom Durchgangsverkehr zu entlasten und einen Großteil des Verkehrs über den aus zwei Halbelementen bestehenden innerstädtischen Verkehrsring abzuleiten. Von diesem Ring ausgehend sollen mittels Schleifen insbesondere die Parkhäuser für Zu- und Abfahrt gut erreicht werden können.

Das Raster der Hanauer Neustadt ist eine Kombination aus „Netzzerschneidung“ sowie „Widerstandserhöhung“. Dies hat zur Folge, dass in vielen Fällen mittels einer Einbahnstraßenregelung unerwünschter Durchgangsverkehr erschwert beziehungsweise zu unbequemen Umwegsfahrten gezwungen wird. Gleichzeitig soll die Einbahnstraßenregelung vermehrt Straßenfläche für öffentliche Stellplätze bereitstellen (Flächeneinsparung durch vermiedenen Gegenverkehr).

Dieser bisherige Anspruch auf eine hohe Anzahl öffentlicher Parkplätze im Straßenraum – in weiten Bereichen beiderseits der Fahrbahn – ist mit dem Ziel, die Straßenräume für Fußgänger, Radfahrer, Aufenthalt, Gastronomie etc. attraktiver zu machen, in Einklang zu bringen.

Zur straßenverkehrsrechtlichen Regulierung kann auf die Einrichtung von Fußgängerzonen, verkehrsberuhigten Zonen oder verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen etc. zurückgegriffen werden.

Die Planungen in den einzelnen Quartieren werden an ihrer Umsetzbarkeit anhand des Mobilitätskonzeptes geprüft werden, das Mobilitätskonzept ist deshalb eine Pflichtaufgabe.